Archive for Februar 2009

Reizüberflutung

Februar 28, 2009

Hallo zusammen,

jetzt geht es für heute in zweite Runde – dieses Mal mit einem asiatischen Klassiker namens Reizüberflutung. Was im Flugzeug mit schlechten Shrimps zu interessanten Kartoffelsalat – im übrigens schwäbischer, und das bei Air China – und seinen zeitweisen Höhepunkt in einem schlechten Eddie Murphy Film fand, wurde natürlich sofort in Beijing von allem getoppt. Diese Stadt scheint die Stadt der Superlative zu sein: Von Schmutz, über Distanzen zu schmucken Glashäusern. Sobald man in der Stadt ist, wird man sofort vom Verkehr überwältigt, gefolgt von den vielen Menschen und natürlich dem Smog. Ach ja, wer blinkt, verliert. Faszinierend wird es aber erst richtig bei den verschiedenen Gerüchen der Straßenküchen und dem unermüdlichen Bass von Lautsprechern mit denen kleine Plattenläden wohl hoffen Umsatz zu generien und dabei gar nicht merken, wie sie damit eigentlich den Puls der Metropole spürbar machen. Faszination pur.

Im Flugzeug habe ich mich jedoch nicht nur der Sinnlosigkeit von schlechten Filmen mit Autos, Frauen und Eddie Murphy hingegeben, sondern auch einem netten Artikel des aktuellen Harvard Business Managers zum Thema neue Führungskräfte und die 5 häufigsten Fehler. Interessanter Artikel. Im Artikel werden folgende Probleme genannt: Zu starke Detailfixierung, negative Reaktion auf Kritik, Einschüchterungsversuche, voreilige Schlussfolgerungen und Mikromanagement. Also Lösung wird gute Teamarbeit gesehen.

Und hier schlägt wieder die Nudelsuppe bzw. deren Weisheit zu. Nach 2,5 Jahren Hochschulgruppenerfahrung habe ich eine Menge Vorsitzender, Vorstände und andere Buchhalter kennengelernt.

Und Tadaa – HBM trifft viele Punkte ziemlich genau. Nehmen wir das klassiche Beispiel für eine Hochschulgruppenkarriere: Man fänt irgendwo an, wird VP/Ressortleiter/gehobener Wasserträger. Als ob das nicht genug wäre, meint man vom Größenwahn geplagt noch ein höheres Amt im nächsten Jahr übernehmen zu müssen – nicht nur manchmal blöd, sondern auch extrem Detail fixiert in den meisten Fällen. Woher kommt das? Ganz einfach: In früheren Zeiten hat man sich um die operative Umsetzung, die eine gewisse Detailtiefe erfordert, gekümmert und plötzlich soll man von den einen auf den anderen Tag – meistens nach einer mittelprächtige Hauptversammlung – eine strategischen Blick haben. Das ist nicht ganz einfach und frustriert den Nachfolger des operativen Amtes, da sich der neue Vorsitzende meistens dort einmischt. Neben diesem Pulverfass, neigen überambitionierte neue Vorsitzende an manchen Tagen zu einem Kontrollwahn, mit dessen Umsetzung sie eh nicht umgehen können, da Ihnen (noch) die passenden Informationsfilter fehlen. Diese Eigenschaft geht häufig einher mit übertriebenen Mikromanagement, das keine freie Minute für strategische Fragen übrig lässt. Wenn der Vorsitz nicht Stratege ist, wer dann?

Sehr beliebt sind auch negative Reaktionen auf Kritik, da der Neuling das meistens an Kritik am neuen Kurs und damit an sich sieht. Und weil das Problem noch nicht groß genug ist, greift man gerne auch mal zur Einschüchterungskiste, was bei ehrenamtlichen Engagement eh nichts bringt… So kann in kürzester Zeit ein Ruf der Ignoranz und des schlechten Arbeitsklimas geschaffen werden. Nicht spaßig und auch ziemlich blöd. Hier hilft nur Kritik zu hören und nachdenken. Ach ja, die meisten eurer Vorgänger werden sich etwas bei Ihren Entscheidungen gedacht haben – soll heißen: Nicht aus Prinzip habt ihr es mit sabbelnden Trotteln zu tun.

Das führt auch schon zum letzten Punkt: Voreilige Entscheidungen. Für die meisten Entscheidungen eurer Vorgänger gibt es Gründe, häufig gute Gründe und noch häufiger hat er sich länger mit dem gleichen Problem beschäftigt. Soll heißen – fragt in Gottes Namen bei euren Vorgängern nach, was warum entschieden wurde und glaubt nicht, komplexe Probleme durch Fingerschnippen zu lösen – das macht nur die bezaubernde Dschinie und die hat das passende Outfit.

Und noch ein Punkt – nur durch die Wahl ins Amt, heißt das nicht, dass ihr cleverer, schöner oder angesehener werdet. Ihr werdet an eurer Leistung gemessen. Das bedeutet: Ignoriert nicht die Quick Wins, sondern macht Team Quick Wins daraus. Das hat zur Folge, dass ihr gemeinsam Erfolge feiern könnt, euch besser kennen lernt, euch schätzen lernt und dass ihr, liebe Vorstände, danach etwas Luft habt euch einzuleben und strategisch zu werden und nicht in der Reizüberflutung untergeht…

The Chinese Wall – big urban myth?

Februar 28, 2009

Hallo zusammen, für alle Zweifler – ich habe es geschafft. Entgegen allen Erwartungen habe ich mich in den richtigen ICE gesetzt, habe das richtige Gate in Frankfurt erwischt und die Chinesen haben mich reingelassen – dass die Deutschen mich rausgelassen haben, sollte eigentlich niemanden verwundern…

Im Gegensatz zu meinen Irlandeskapen in der 12. Klassen konnte ich sogar Schuhe und Beinkleider anbehalten – in Frankfurt gibt es sogar passende Kabinen, so dass man sich nicht zum Gespött der Menschen macht. Zumindest nicht an dieser Stelle der Reise. Zum Glück bin ich zusammen mit Sarah geflogen – ohne sie wären es lange 10 Stunden geworden… gemeinsam mit dem deutschen Topkinofilm „Autobahnraser“, der mit chinesischen Untertiteln ganz neue Qualitäten entwickelt, neben einer leicht bekleideten Alexandra Neldel aber trotzdem nicht zu unterhaltsamen Höhenflügen ausufert. Der Flug war toll – obwohl es dennoch zu spüren war, dass Air China einen spürbaren kulturellen Einschlag nicht vermissen lässt: Es gab tolle Videos zum Thema Bordsicherheit und Seuchenschutz. Da fühlt man sich als Europäer sofort schuldig und will seinen nicht vorhandene Hund trotzdem bei der Health Customs abgeben.

Mein schönstes Erlebnis, das aber noch von vielen sofort wieder getoppt werden sollte, war Folgendes:

Auf die Frage ob ich Beef and Rice zum Abendessen haben möchte – die Frage war wohlgemerkt auf Englisch von der netten asiatischen Bordschönheit formuliert – antwortete ich schamlos mit „yes, please“, was sofort mit einem süffisanten Lächeln und Fisch quittiert wurde. Das Unheil brach aber nicht nur über mich, sondern auch über Sarah herein, die auch prompt mit Fischen versehen wurde. Zum Glück war der Fisch lecker. Beef wird eh überschätzt. Nachdem mein Sitznachbar jedoch Beef bekommen hatte und das offensichtlich nicht nach seinem Geschmack war, konterte er geschickt mit der Tatsache, dass er fähig war die vollen 10 Stunden mit Lesen zu verbringen. Natürlich nur mit gezieltem Leselampeneinsatz möglich! Dies wurde dann mit einem überlauten Ipod meinerseits jedoch kompensiert: Die Bilanz sagt alles – leckerer Fisch und gute Musik für mich. Gebeugte Lesehaltung und unschönes Beef bei ihm. Wenn es geschmeckt hat, wie es aussah — arme Sau, äh, Rind.

Endlich am Flughafen angekommen ging alles sehr schnell. Gepäck geholt, dabei von einer Kölnerin, die ihren Sohn besucht und weder Englisch noch Chinesisch spricht zugetextet worden, dann fast 1,5 Stunden gewartet, bis das Taxi komplett war… meine Füße haben mehr Blasen als… ach, egal. Es tut jedenfalls weh.

Dann Freundschaft mit unserem Fahrer geschlossen – Okay, Freundschaft ist vielleicht zu viel gesgat. Er versteht kein Englisch, ich kein Chinesisch – aber es war ganz klar Freundschaft.

Dann haben wir unseren Vermieter kennengelernt. Netter Kerl, versteht uns nur nicht. Das ist aber nicht weiter schlimm, da wir ihn auch nicht verstehen. Immerhin haben wir es geschafft ihn mit 3 Tafeln Schokolade und einer Packung Marlboro zusammen mit den Worten „WLAN xianzai“ ihn zu überreden WLAN einzurichten. Bei den Mietmodalitäten sieht das schon etwas anders aus – Wechselkurs doof und wir verstehen ihn immer noch nicht. Dafür ist er mit uns einkaufen gegangen: Jetzt haben wir Eistee, Bier, Wasser und Nudelsuppe ma Start. Immernoch besser als das Bettzeug für 700 RMB, das er uns aufschwatzen wollte. Chinesen… wir haben ihn stattdessen dazugebracht uns zum Bier zu führen und waren dann hinterher nochmal einkaufen. Bettzeug für 60 RMB. Sachen gibt’s – und Julia wird mir zustimmen – die gibt‘ s gar nicht – genau wie der nette Chinese, der vorhin an unserer Tür geklopft hat. Keien Ahnung was der wollte – durch geschicktes Wiederholen seiner Aussagesätze haben wir perfekte Verwirrung gestiftet, um ihn im Anschluss hereinzulassen und den Wasserstand ablesen zu lassen.

An dieser Stelle wird sich der aufmerksame Blogleser fragen, was das alles mit der chinesischen Mauer zu tun hat,… die Cleveren unter den Gammler sind schon zu dem Schluss gekommen, dass eine Überschrift nur bei guten Artikeln, etwas mit dem Inhalt zu tun hat.

Um noch zumindest als mittelprächtiger Blog durchzugehen kommt hier der glänzende Abschluss – mein Blog wird vom chinesischen Internet geblockt. Weder mein Mitbewohner noch ich können meinen Blog lesen, da er geblockt ist. Ich bin jedoch nicht ganz der Zauberer von Oz, sondern verfüge Gottseidank über einen VPN Client, mit dem ich mich in Tübingen einwählen kann…

Chinese Wall ist leider Realität.

Tag X – 1

Februar 26, 2009

Hallo Leute,

es ist so weit. Zumindest fast: Es geht nach China. Morgen. Der Koffer ist fast zu und ein quasi panikartiger, aber doch zufriedener Zustand breitet sich in meinem Kopf aus. Es geht bald los ins unbekannte China.

Heute ist bereits eine Begrüßungsmail von der Uni in China gekommen, der Professor in Deutschland hat sich von uns verabschiedet und uns noch auf einen extra Pullover hingewiesen… wenn ich den mal nur in meinem Gepäck unterbringe. Ja, wie jeder Reisende weiß, ist das mit dem Gepäck kein Spaß – in Beijing hat es zwischen -5 und + 35 Grad Celsius, wenn wir dort sind, d.h. hat der Koffer über jede erdenkliche Bekleidungsvariante zu verfügen. Tolle Sache! Ohne eine ordentlich Krümmung der Gesetze der Physik könnte das ein spannendes Unterfangen werden, das mit dem Packen. Aber darum kümmere ich mich noch – Koffer steht bereit, Waage auch und nachher geht der Kampf los…

Diese Woche bestand vor allem auf Wiedersehen und auf Nimmer Wiedersehen sagen – komische Sache. Hier noch ein Dank an alle, die sich spontan für mich Zeit genommen haben und hier noch eine Entschuldigung, an die, die sich vernachlässigt fühlen. Das war nicht immer ganz so koordiniert, wie ich es mir gewünscht hätte – dafür sollte die Konjunktur nicht nur belebt, sondern auf neuestem Höchststand – ähnlich meinem Blutdruck, bei der Menge Kaffee, sein. Ein Statistiker könnte beängstigende Zahlen damit produzieren… lassen wir das. Dass ich weg bin, werde ich wohl erst richtig morgen im Flieger realisieren. Hier ein Dank an Philipp für die Karte, die ich erst im Flieger lesen werde.

Für alle die sich über das Maß an Chaos und Unprofessionalität wundern – Ja, ich verlasse das erste Mal meien schwäbische Heimat und dann geht es gleich für 5 Monate nach Beijing. Ganz oder gar nicht! Sekt oder Selters! Kotzen oder Rausch! Harem oder… ach lassen wir das! Im Anschluss werde ich für 3 Monate in Genf bei Procter&Gamble sein – der Vertrag kam heute per Post und wird morgen rausgehen. Timing ist einfach alles im Leben. Mal schauen, wo es mich danach hin verschlägt. Die, die mich kennen, wissen dass ich Etwas im Hinterkopf habe.

Ach ja, damit ich vor Nervosität mich nicht irgendwelchen Dämlichkeiten hingebe, dachte ich, dass ich einfach den neuen Harvard Business Manager mir zu Gemüte führe. Das Thema: Karriere.  Hierzu gibt es 3 Blöcke: Leadership, dazu gibt es auch eine gute Sonderausgabe, Topmanagement und CEO Nachfolge. Dank eines ausgedehnten Mittagsschlafs, hier nochmal ein Dank an Julia für den gestrigen Abend, bin ich noch nicht über Holger Rusts Kolumne hinausgekommen. Hier dreht es sich um „Sensible Aufsteiger“ – nichts, was man mit mir in Verbindungen bringen würde, wenn man mich einmal kennengelernt hat. Jedoch stecken einige interessante Aussagen in dieser Kolumne. Ganz am Anfang sei hier zu nennen, dass Karriere nicht unbedingt planbar ist. Da habe ich doch nochmal Glück gehabt. Des Weiteren rückt auch die soziale Herkunft weiter in den Hintergrund – es gibt genug Einzelfälle, die zeigen, dass die Sache mit der planbaren Karriere und dem Habitus so sicher ist, wie mit Faber System zum Lotto-Gewinn. Hingegen ist es sicher wie Fort Knox, dass  „der unverwechselbarer Charakter kraftvoller Individuen mit der Begeisterung für eien Idee, dem Mut zu ungewöhnlichen Lösungen, der Fähigkeit zur Kommunikation und der Sensibilität für die Wirklichkeit jenseits der eigenen Horizonte“ die Gemeinsamkeit von erfolgreichen Menschen ist.

Das ist mal ein Satz, dem ich wirklich zustimmen kann. Und es freut mich an einem Studienstandort zu sein, wo es tatsächlich eine Menge dieser Menschen gibt bzw. viele Menschen auf dem Weg genau dorthin sind. Man muss sich nur bei Hochschulgruppen wie AIESEC, InOne Consult oder Studieren ohne Grenzen umschauen. In den letzten 2,5 Jahren hatte ich das Vergnügen mit vielen Menschen zusammenzuarbeiten. Es war nicht immer ein Vergnügen, aber ich muss sagen, dass ich eine Menge gelernt habe.  Und das wird es in Zukunft auch hier in diesem Blog zu lesen geben.

Macht euch bereit für die Weisheiten aus der Nudelsuppe… und denkt daran – no rest for the wicked!

Willkommen in der Welt der Nudelsuppe…

Februar 23, 2009

Hallo zusammen,

das hier ist mein Blog.  Und ich gehe nach China. Freitag. Diesen Freitag. Momentan bin ich mit letzten Vorbereitungen beschäftigt: Kaffee trinken, Wiedersehen sagen, Koffer packen…

Hello world!

Februar 23, 2009

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