Kontakte…

Hallo ihr lieben treuen Leser,

anhand meiner Blogstatistik kann ich ablesen, dass trotz der unregelmäßigen Frequenz, in welcher ich meine literarischen Meisterwerke veröffentliche, einige doch sehr regelmäßig reinschauen. Habe ich Freunde oder ist die Klickrate der völlig verlorenen Internetabhängigen, die zu viel Zeit haben, so hoch? Man weiß es nicht. Ich schon. Freut mich, wenn ihr Spaß am mitlesen habt.

Irgendwie habe ich mich hier so langsam eingelebt – auch wenn die Woche Ferien vielleicht nicht das Wahre für meinen Lebensrhythmus war. Völlig durcheinander. Naja, richtig viel Neues gibt es diese Woche nicht – außer dass ich vielleicht wieder eine Idee für eine Unternehmung habe. David, bitte melde dich! Oder so.

Dafür hat es sich so langsam bei meinen Kommilitonen herumgesprochen, dass ich ein Bwler par excellence, ein Karrierist vor dem Herrn, quasi der Chinese unter den Europäern bin. Also nicht, was Körpergröße und Essgewohnheiten – ja, ich habe schon Hund gegessen – sondern die Ambitionen und den Ehrgeiz angeht. Was zunächst zu wellenartigen Anfällen der Verabscheuung führte und versucht wurde zynisch – so zynisch ein 21 Jähriger Kulturwissenschafter, der von Mutti’s Futtertüte lebt eben, sein kann – zu kommentieren und von mir natürlich sehr souverän aufgenommen wurde.So souverän ein 22 Jähriger dicker, weißer Europäer, der die Hitze nicht verträgt und sporadische Schlafstörungen hat, eben sein kann. Okay, ich habe hier nicht viele Freunde. Deutsche Freunde. Internationale schon. Vielleicht wäre es anders, wenn ich, wie soll ich sagen… nicht ganz so, naja ..- ich – wäre.Spaß bei Seite! Es ist hier eigentlich ganz nett. BWLer und Sinologen haben häufig divergierende Interessen und haben auch etwas andere Probleme. Ein Schelm könnte sagen, dass BWLer u.U auf höherem Niveau leiden – aber ich leide trotzdem.

Ich weiß auch nicht genau, was ich nach meinem Bachelor tun soll. Nur weil ich die Auswahl habe, löst sich das Problem nicht unbedingt von selbst. Nachdem ich aber inzwischen ein paar Erfahrungen auf der stürmischen See namens Arbeitsmarkt gemacht habe, lasse ich mich dazu hinreißen den Captain Ahab zu geben. Okay, Moby Dick wäre vielleicht passender – aber ein Wal in Asien zu sein, ist kein Spaß – aber ich tendiere zu Guybrush Threepwood, da Captn Sparrow dann doch zu hoch gegriffen wäre. Zurück zum Arbeitsmarkt – wie bereits zuvor analysiert, ist Asien, besonders China einfach kein Spaß. Sagen zumindest die Chinesen und viele Internationals, die ich kennen gelernt habe. Oder eben auch nicht. Es gibt dann doch diese big urban myths von den glorreichen und epochalen Legenden, die hier ein Praktikum gefunden haben und das Leben in vollen Zügen genießen. Wer sind diese Lichtgestalten, diese Apostel der der Karriere, deren Tempel die Wirtschaft und deren Gebet das Praktikum ist? Sie sind Erfolg. Sie strahlen Erfolg nicht nur aus – nein, sie sind wahrer Erfolg. Der Stoff aus dem Träume sind. In ihrer Umgebung spürt man geradezu wie sich die Karriere um sie herum entwickelt. Fällt ihnen tatsächlich alles zu?

Wohl kaum.

Karriere ist die exzellente Ausnutzung von vorhandenen Resourcen, zugegebenermaßen manchmal auch ein wenig positiv beeinflusst durch zufällige Gegebenheiten. Richtig, Karriere ist weder Gott gegeben, noch hervor bestimmt. Wieder richtig, der Kenner weiß jetzt schon, dass ich irgendwann auf die furchtbare Konsumtenhaltung der heutigen Generation eingehen werde. Später. Welche Faktoren können denn die Karriere beeinflussen? Natürlich die Wahl des Studiums, also Studienfach, Studienort, Noten, Reputation, Vernetzung in die Wirtschaft. Beim Thema Vernetzung fallen sofort Begriffe wie Netzwerk, Kontakte, Vitamin B und für die Sinologen Guanxi. Ein Punkt, den ich auch selten von Karrierechoaches höre, ist Folgender: Informationsvorsprung. Es geht darum schneller und mehr zu wissen als andere. Aber Achtung, es geht nicht um ein Informationsmonopol. Vermutlich hat nur chinesisches Fleisch an einem Straßenstand bei 40 Grad und Abstinenz einer Kühlvorrichtung eine kürzere Halbwertszeit als Informationen. Nicht zuletzt sind wir im Zeitalter der Wissensgesellschaft angekommen. Nur wer Informationen teilt, wird es schaffen langfristig ein leistungsfähiges Netzwerk aufzubauen. Informationsvorsprung wäre es gewesen an der KU Ingolstadt BWL mit Chinesisch und nicht in Tübingen. Dann würde ich nämlich 2 Jahre in Shanghai verbringen und würde 2 Abschlüsse bekommen. C’est la vie. Informationsvorsprung ist als Jurist nach China zu gehen, da sich hier gerade das Rechtssystem weiterentwickelt. Inzwischen sollten sogar Sammelklagen möglich sein.Ingenieure sind auch immer sehr beliebt. Und viel wichtiger, liebe Sinologen, Informationsvorsprung ist es zu wissen, wann welcher Mittelständler einen Sinologen braucht…

Noch ein Wehrmutstropfen für alle BWLer, die von ihren Sinologenfreunden – gibt‘ s sowas? – immer ausgelacht werden, dass sie niemals Geschäfte in China machen können, weil Ihnen die Guanxi, also Beziehungen fehlt: Auch den Sinologen fällt die Guanxi-Sache nicht einfach. Eigentlich ist das recht schwierig. Für alle. Jeder, der meinem Blog eine Weile folgt, wird jetzt erwarten, dass ich kreativ, keck und geistreich mich als Ausnahme darstellen werde. HA! Falsche Erwartungshaltung. Auch mir fällt es hier recht schwer, aber es gibt dennoch dein ein oder anderen Trick. Schritt 1 zu einem guten Start in China: Pflegt euer Heimnetzwerk. Ihr werdet kaum glauben, wieviel Menschen in der heutigen Zeit jemanden kennen, der jemand kennt, der etwas in Asien macht. Je besser ihr euer Heimnetzwerk nutzen könnt, desto einfacher wird es euch fallen hier etwas aufzubauen. Sollte kein Netzwerk verfügbar sein, was nicht sein kann – denn jeder kennt jemanden, der jemanden kennt – dann heißt es Netzwerk aufbauen.

Wie baue ich ein Netzwerk auf? Gute Frage und das an einem Sonntag, nach einer seeehr kurzen Nacht. Zuerst Soju trinken beim Koreaner, dann auf ins Propaganda, nach 3 Stunden Tanzen ging es dann auf direktem Weg zum 15 Kuai Burger. Hat Spaß gemacht! Zurück zum erfolgreichen Netzwerk. Ich befürchte, dass es kein Patentrezept gibt. Manche Menschen sind einfach Social Wildfires, die schnell mit Menschen ins Gespräch kommen und so in Windeseile ein Netzwerk aufbauen. Und manche Menschen sind es nicht. Bin ich ein Social Wildfire? Ich denke nicht. Kann ich deshalb trotzdem effizient netzwerken? Ich denke schon. Ich hoffe es zumindest und wenn die Realität einen guten Tag hat, dann ist sie auch fast dazu geneigt es zu bestätigen. Fast. Solltet ihr auch keine Social Wildfire sein und wollt trotzdem netzwerken, dann kann ich zumindest versuchen euch den ein oder anderen Ratschlag zu geben, der zumindest bei mir so weit ganz gut funktioniert hat. Zuerst mal die Standards, wie nett, zuvorkommend, höflich sein und ganz wichtig authentisch sein. Nachdem ihr das mehr oder weniger gemeistert habt, gilt es ganz klar zu wissen, was ihr könnt, was ihr wollt und wo es hingehen soll. Soll heißen, wisst was ihr bieten könnt. Im Personalerjargon könnte man hier von eurem Skill-Set, also der Ansammlung euer Fähigkeiten und Talente, sprechen. Und ihr solltet auch ungefähr wissen, wo es hingehen soll bzw. was ihr wollt. Und Orientierung zu finden und Input zu bekommen ist auch eine Richtung, liebe Gemeinde der vielleicht noch planlosen Sinologen. Keine Sorgen, die BWLer wissen es auch nicht wirklich. Bei Ihnen kann nach der Schwerpunktwahl durchaus der Weg schon vorgezeichnet sein. Und so vorbereitet kann es dann auch schon loslegen. Vielleicht noch flux ein Xing Profil eingerichtet und optimiert und zack könnt ihr mitten drin sein. Und jetzt kommt vermutlich das Schwiergiste, schon wieder so ein Kern von einem Pudel. Was das wohl für ein Hund war, den ich da mal gegessen habe… Pudels Kern: Proaktiv sein. Initiativ. Engagiert. Etc. pp. …Geht aktiv auf Firmen zu! Auf zu Bewerbermessen, irgendwelchen Stammtischen, Vereinigungen oder gründet noch besser eure eigene Hochschulgruppe und los geht‘ s… jetzt wollte ich schon aufhören mit Schreiben, dann hätte mich wohl so mancher gelyncht. Also, Menschen ansprechen und sagen, dass ihr euch für die Firma interessiert. Hier kann gefragt werden, was die Firma genau macht, wo sie tätig ist, wer so eingestellt wird, usw. Einfach wirtschaftlicher Smalltalk durch den man zeigt, dass man sich für die Bude interessiert. Auf deutsch – Interesse zeigen und nachfragen. Zum Beispiel auch zum Bewerbungsprozess. Zur Gesamtsituation. Das klappt schon. Undwenn ihr Kontakte habt, dann pflegt diese auch durch z.b. regelmäßige emails mit einem Update, was ihr gerade so macht. Es ist nicht wirklich schwer, wenn man systematisch an die sache rangeht…

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