So sieht‘ s aus…

Hallo zusammen,

so, willkommen zur offiziellen und rituellen Blogentstaubung. Baströcke und Blutopfer bereit? Ganz so historisch-traditionell wertvoll wird die Sache dann doch nicht ganz…

Nach kleineren Magenverstimmungen kann ich mich endlich wieder nur der Hitze hingeben.Heute soll es mal wieder 39 Grad geben. Toll, ich sag’s euch. Wer‘ s heiß mag ist hier ganz genau richtig. Ich genieße das Wetter wie ein Backstein auf meinem großen Zeh, nur eben im Ganzkörperformat. Ich habe bisher nur einen Halbspanier getroffen, der das Wetter hier echt toll fand. Ein Traum meinte er – wohl eher ein Alptraum. Spaß beiseite, ich kann mich aber trotzdem recht gut über Wasser halten. Gestern Nachmittag war das Mittel der Wahl die Margarita Happy Hour auf einer recht hübschen Dachterasse – 6 Stunden lang. Mache ich inzwischen Urlaub? Vielleicht. Bin ich gestresst? Auf gar keinen Fall! Bin ich entspannt? Ausgeschlossen!

Warum? werden sich jetzt die Cleveren unter den Gelangweilten fragen. Irgendwas macht der Kerl doch falsch – sitzt in einem sonnigen Entwicklungsland, bekommt monatlichen Paycheck von Papa, braucht weder Kurse noch Credits und ist einfach Europäer. Nicht zu vergessen – hat nur 12 Wochenstunden und Asiatinnen.Und ist nicht entspannt.
Punkt 1. Es ist bewölkt. Schwül. Zu warm. Einfach Mafan. Oh… da kommt mein Margarita.
Punkt 2. Entwicklungsländer machen nicht immer Spaß. Ich sag nur: mein Magen. Versucht hier mal einen guten Espresso zu bekommen!
Punkt 3. Wer wird nicht von Papa finanziert? Ok, ich habe es schon gut – aber China ist maximal halb so billig, wie ihr euch das vorstellt. Versucht hier mal einen guten Espresso zu bekommen, der euch nicht ein halbes Vermögen kostet. Dann das Rinderfilet dazu und ihr seid pleite! Das Rind kostet nämlich ein Vermögen, also nicht das ganze, sondern nur das Filet – macht 1,5 Vermögen. Und das nur weil ich dekadent bin. Ohne mein 16 € all-you-can-eat-all-you-can-drink beim Nobeljapaner wäre ich echt aufgeschmissen. Ein Hoch auf gegrilltes Rinderfilet, Lachs und Garnelen. Und den Sake nicht zu vergessen. Ach ja, und nebenan gibt‘ s den hervorragenden Nudelmann für 60 Cent. Und den nehme ich öfters in Anspruch als ihr glaubt…
Wenn wir schon bei dekadent sind: Hier gibt es Straßenstände, die englische Bücher verkaufen – 1 € die Managementbibel von Peter F. Drucker. Amazon sagt dazu 25 € aber in 24h lieferbar. In China ist es zum Mitnehmen.
Und nun ein Wort zu den 12 Stunden Unterricht in der Woche – Studiengebühren sind bezahlt, ergo sunk costs. Des Weiteren zweifle ich nichtzusammenhängende Vokabellisten an! Man möge mir unterstellen, dass ich die Sprache nur halbherzig lerne…
Korrekt. Denn die Sprache ist wirklich mafan. Wer hat eigentlich inzwischen die Bedeutung von mafan raus? Den Kritikern, auch meinem inneren kleinen Kritiker, der gerade vom Schweinehund verschluckt wurde – visualisiert einfach wie ein Marcel Reich-Ranicki artiges Format von mir von einem gigantischen Schweinehund aufgegessen wird – werfe ich die Tatsache an den Kopf, dass Chinesisch eine ganz-oder-gar-nicht-Sache ist, von der ich nicht einmal weiß, ob ich sie je wieder brauchen werde. Man sagt, dass Chinesisch eine 5 Jahres Lektion in Demut ist. Das bedeutet nicht, dass man nach 5 Jahren Chinesisch kann, sondern nach 5 Jahren vollständig das Konzept der Demut verstanden hat. Traurig? Vielleicht. Wahr? Definitiv. Mafan? Mehr geht nicht.

Ist das meine Abkehr von der Sinologie? Ich glaube es kaum! Eine Absage an die chinesische Sprache? Definitiv nicht – sondern eine Zusage an … an was eigentlich?

Schwierige Frage – schwierige Antwort. Vermutlich wäre es jetzt treffend eine große Zwischenbilanz zu veröffentlichen. Keine Sorge, das wird kein Enron-Waterloo Crossbreed, der wie ein hässliches Damoklesschwert über mir droht mich jede Sekunde ins Unglück zu stürzen… das kann das Wetter hier schon allein. Mafan.

Nun zur langen Version der Bilanz, quasi mit Anhang und Lagebericht nur mit weniger Standards und humorlosen Wirtschaftsprüfern involviert: Und hoffentlich mit einem größeren Unterhaltungswert als das Standbild des WDRs im Winter…

Das war der Stand vor einer Woche – wie ihr seht, schaffe ich es nicht mal einen Blog ordentlich am Stück runter zu schreiben. Quasi unmöglich für mich hier. Daher die zweite rituelle Entstaubung, vielleicht sollte ich dieses Mal doch zu Blutopfern greifen. Freiwillige vor!

Also, Zwischenbilanz (1 Woche später!!):

Das Auslandssemester hat sich gelohnt – ich bin zwar von flüssigem Chinesisch so weit entfernt wie ein verbrannter, steinharter Kuchen von seiner Ursprungsmasse – es war aber auch nicht mein Ziel. Ich und flüssiges Chinesisch – Haha, das ist ja wie ich und Vegetarier. Passt ohne Negation in keinen anständigen Satz! Dafür kann ich mich in Restaurants und im täglichen Leben ganz gut zurechtfinden. Des Weiteren fühle ich mich hier nicht verloren, sondern manchmal fast wie zuhause. Fast.
Das bedeutet, dass ich mein Ziel tatsächlich erreicht habe – Ich kann mir in der Tat vorstellen hier für längere Zeit, so 2 bis 3 Jahre zu bleiben. Das bedeutet, dass mich mein Master potentiell hierher bringen könnte. Vielleicht auch ein MBA. Auch in diesem Thema bin ich so weit gekommen, dass ich von mir behaupten kann, dass ich mich ganz ordentlich informiert habe und die Entscheidungskriterien fast feststehen. Jetzt brauche ich nur noch das nötige Kleingeld…
Schon wieder quasi ein Erfolg – das wird ja schon fast unglaublich, zumindest schwer zu erfassen, oder?
Ich konnte auch erste Erfahrungen auf dem chinesischen Markt machen. Hatte schon mal ein Essen zu Ehren eines Gastes und konnte erfolgreicherweise nicht negativ auffallen.
Und noch viel besser – das eigentlich Beste hier: Die Menschen, die ich kennen gelernt habe. Sehr viele spannende Menschen hier! Hier einige Highlights: Besuch einer Modenschau, Besuch auf dem chinesischen Land mit anschließendem Kekse backen mit Kindern, die Reise nach Shanghai, Spezialitätenrestaurants, Garküchen im Herzen Chinas und natürlich das Finden von Freunden für‘ s Leben. Nicht zu vergessen das ausgelacht werden an Tag 1!

Alles in allem: Toll! Bis auf die Wohnung, die Hitze, der Magen, Unverständnis, Diskriminierung, Espresso für 4 €, die Dusche, die Küche, Gejammer, Planlosigkeit, Desorientierung…

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